| Der Aperitif
Bis nach der Trauung die ganze Hochzeitsgesellschaft im
Restaurant oder im Saal eintrudelt, kann schon eine kleine Weile
vergehen. Platz nehmen mag niemand, wenn die Gäste noch nicht alle
angekommen sind, und außerdem war die Trauung so wundervoll
aufregend, dass nun erst einmal Smalltalk angesagt ist.
Der Moment des Aperitifs
Nichts ist schöner, als die Wartezeit mit einem netten Plausch
und einem anregenden Aperitif zu genießen, anstatt sich sofort an
die Tafel zu setzen und zu warten. Der Aperitif, auch "Coup d'avant"
oder zu deutsch "Vorschluck" genannt, muss einige Hürden nehmen,
bevor er sich tatsächlich so nennen darf. Wie seine Namen schon
sagen, wird er vor dem Mittag- oder Abendessen gereicht. Also darf
er auf gar keinen Fall zuviel Alkohol enthalten! Und Sirup, Sahne
oder Ei dürfen auch nicht zu den Zutaten zählen.
Appetitmacher
Vor allem soll der Aperitif den Appetit anregen. Die Magensäfte
sollen rechtzeitig vor dem Essen zur Arbeit animiert werden, ohne
dass zu große Mengen an Alkohol ermüdend wirken oder gar den Appetit
verderben. Leicht soll er also sein, der Vorschluck, und am besten
herb oder ein wenig bitter. Die moderne Variante des Aperitifs
besteht daher häufig aus Südweinen. Ein trockener Martini ist
schnell gemixt: ein Drittel Gin und zwei Drittel trockenen weißen
Wermut ins Glas, eine grüne Olive hinein und fertig ist der Drink.
Ganz ähnlich wird der Manhattan komponiert: hier wird ein
Drittel Whisky mit zwei Dritteln rotem Martini gemixt und das Ganze
mit einer Cocktailkirsche serviert. Beide Aperitifs sollten gut
gekühlt, aber keinesfalls auf Eis getrunken werden. Die Gläser
sollten weit und nicht zu groß sein, denn schließlich dürfen es
wegen des doch recht hohen Alkoholgehalts nicht mehr als vier
Zentiliter sein, das ist die Menge eines doppelten Schnapses.
Die klassische Variante...
...des Aperitifs ist noch ein wenig schlichter. Aber gerade darin
liegt ja oft der Reiz. Portwein, Sherry - gern trocken - oder ein
edler Madeira tragen die Sonne des Südens in sich und beleben am Tag
der Hochzeit Gäste wie Gastgeber. Bei diesen Aperitifs auf Weinbasis
ist die Qualität der angebotenen Produkte äußerst entscheidend,
deshalb sollte gerade an dieser Stelle nicht gespart werden. Zarte
Sherrygläser mit schmalem Kelch sind für diese Appetitanreger
geeignet. Die warmen Farben von Port oder Sherry kommen in
schlichten Gläsern ebenso gut zur Wirkung wie in geschliffenem
Kristall.
Prickelnd
Früher galt die Regel, dass in einer Gesellschaft mit Damen auch
ein Sekt als Aperitif gereicht werden darf. Heute braucht zum einen
niemand mehr Hemmungen haben, auch den Herren der Schöpfung Sekt
anzubieten und zum anderen pflegen Hochzeiten mit mindestens einer
Dame, der Braut, gefeiert zu werden. Es kann also ruhig prickeln.
Zeitgemäß wäre ein trockener Sekt. Doch bei Familienfeiern sind oft
ältere Herrschaften mit von der Partie und deswegen sollte
vielleicht ein halbtrockener Sekt bevorzugt werden. Eine kleine
Verfeinerung sei erlaubt: einen Kir Royal zaubert man ganz schnell
mit einem kleinen Schluck Cassis, der mit Sekt aufgefüllt wird.
Cassis ist übrigens Johannisbeerlikör und von herber Süße. Lecker!
Harmonisch auf die Speisen abgestimmt
Etwas ganz wichtiges sollte bei aller Liebe zum Aperitif nicht
vergessen werden: er ist nur der stimulierende gute Schluck vor dem
Essen und muss daher immer mit den Speisen korrespondieren. Ein Kir
harmoniert mit einem Geflügelcocktail als Vorspeise, nicht aber mit
geräuchertem Fisch. Der Manhatten hingegen kann vor kräftigen
Speisen, vor Parmaschinken zum Beispiel gereicht werden, würde den
zarten Eigengeschmack von Seezungenröllchen jedoch überdecken. Was
immer zu einem Aperitif gehört, ist eine entspannte Stimmung: man
hat ein wenig Zeit, sich zu unterhalten, genießt den Moment, lernt
unbekannte Gesichter kennen und freut sich auf das festliche Essen
und ein überschäumendes Fest. Dieser Stimmung sollte sich auch das
Brautpaar hingeben und trotz aller Arbeit, die es mit den
Vorbereitungen hatte, den Rest seines Festtages in vollen Zügen
auskosten!
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